Gemeindebrief zu Weihnachten 2005

Liebe Gemeindeglieder im Pfarrsprengel Rühstädt !

Nun ist es wieder soweit: Die Feiertage bescheren uns eine (hoffentlich) besinnliche Pause in unserem geschäftigen Alltag, und das Kalenderjahr geht seinem Ende entgegen. Da sollte auch noch ein wenig Zeit übrig sein, Dank zu sagen für alle guten Dinge, die wir in den zurückliegenden Monaten erfahren haben. Nun soll dieser Rundbrief ja dazu dienen, ein wenig von dem Leben in unseren Kirchengemeinden zu berichten. Ein großer Teil des kirchlichen Lebens ist ganz und gar nicht spektakulär, sondern geschieht oft im Verborgenen und ist manchmal auch mühsam. Vieles, was vielleicht erwartet wird – zum Beispiel mehr Hausbesuche – ist aus Zeitgründen nicht möglich. Darum ist es wohl ein wenig ungerecht, immer nur die besonderen Höhepunkte zu benennen. Diese außergewöhnlichen Ereignisse prägen sich aber am ehesten dem Gedächtnis ein. Und so will ich wenigstens einiges erwähnen, was mir bemerkenswert erscheint.
Zum ersten Mal haben wir nach den diesjährigen Konfirmationen keinen Nachwuchs an Konfirmanden mehr im Pfarrsprengel. Daran ist mit aller Deutlichkeit der „Wendeknick“ bei den Geburten und Taufen zu sehen. Und auch für die Zukunft ist ja absehbar, daß die Einwohnerschaft in unseren Orten nicht größer, sondern kleiner wird. Jede Beerdigung, die in unseren Dörfern stattfindet, erinnert uns in schmerzlicher Weise an diesen Trend. Zugleich gab es aber auch einen erfreulichen Neuanfang: Nach langer Zeit konnte nun wieder eine Junge Gemeinde ins Leben gerufen werden, die sich alle zwei Wochen in Rühstädt trifft. Ein von den Jugendlichen gestalteter Erntedankgottesdienst hätte allerdings noch besser besucht sein können. Die Zersplitterung unserer Arbeit in den einzelnen Dörfern macht sich bei solchen Anlässen besonders störend bemerkbar.
Auch bei der Restaurierung unserer Kirchen gab es noch einmal wichtige Fortschritte. Nach jahrelanger Arbeit konnte nun die stilgerechte Restaurierung der Lennewitzer Kirche abgeschlossen werden. Ebenso von überregionalem Interesse war die Wiederherstellung der Wagner-Orgel in Rühstädt, die wir am 5. Juni gebührend gefeiert haben. Auch in Roddan konnte die Innenrestaurierung fortgesetzt, aber noch nicht beendet werden. Zum Teil schwierige Planungen laufen für die Kirchen in Bälow, Roddan und Abbendorf sowie für die Patronatsloge in Rühstädt. Wann die notwendigen Arbeiten ausgeführt werden können, ist freilich noch offen. Einigermaßen sicher ist bislang nur, daß die Legder Kirche im nächsten Jahr mit einer beheizbaren Winterkirche ausgestattet werden soll.
Neu war in diesem Jahr auch, daß sich die Kirchenältesten zu einer Rüstzeit in Falkenhagen getroffen haben, um über die gegenwärtigen und zukünftigen Bedingungen der Gemeindearbeit nachzudenken. Darüber hinaus gab es wieder eine Reihe von Veranstaltungen, die den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben werden. Ich denke zum Beispiel an den plattdeutschen Gottesdienst in Abbendorf, bei dem die Kirche bis auf den letzten Platz besetzt war. Nicht unerwähnt bleiben soll auch der Gemeindeausflug nach Brandenburg, Ziesar und Genthin, das Treffen zu Himmelfahrt in Abbendorf sowie das Kirchen- und Dorffest in Roddan. Zur festen Tradition gehören bekanntlich die großen Treffen der Frauenhilfen zum Weltgebetstag und zur Adventsfeier. Der auch in diesem Jahr begangene Jugendkreuzweg hatte seinen Zielpunkt in der Perleberger Kirche. Und die Rühstädter Kirche wurde im Laufe des Sommers wieder von etwas mehr als 10.000 Touristen besucht.
Zu erwähnen ist schließlich auch eine schwerwiegende und überraschende Entscheidung, die die Synode unseres Kirchenkreises am 29. Oktober in Havelberg getroffen hat. Demnach soll in Zukunft unter anderem auch die Pfarrstelle Rühstädt eingespart werden. Das Geld wird irgendwann nicht mehr ausreichen, um eine flächendeckende Versorgung im herkömmlichen Sinne sicherzustellen. Ein neuer Einschnitt steht also zu erwarten, wenn unser Pfarrsprengel wieder aufgeteilt wird. Die Gemeinden werden dadurch freilich nicht untergehen. Es wird aber immer mehr von den eigenen Aktivitäten abhängen. Am Ende dieses Briefes soll darum keine Klage, sondern ein Dank an all diejenigen stehen, die sich für „ihre“ Kirche eingesetzt haben – als Kirchenälteste, als Kirchgeldzahler, als Küster oder ehrenamtliche Helfer. Mit diesen Gedanken wünschen meine Familie und ich Ihnen frohe Festtage und ein gesegnetes neues Jahr !


Gemeindebrief zu Weihnachten 2004

Liebe Gemeindeglieder im Pfarrsprengel Rühstädt !

Was, schon wieder ein Jahr fast vorbei ? Mir jedenfalls scheint es noch gar nicht lange her zu sein, daß ich den letzten Jahresrückblick geschrieben habe. Vermutlich geht es vielen von uns so, daß die Zeit scheinbar immer schneller dahineilt. Da sind uns die Feiertage ganz willkommen, eine Pause einzulegen in unser geschäftiges Treiben. Ich hoffe, daß auch Sie trotz aller notwendigen Vorbereitungen in diesen Tagen Zeit zum Aufatmen finden.
Lassen Sie mich diesmal den Rückblick mit einem Ereignis beginnen, das noch nicht so weit zurückliegt: Am 8. Dezember haben wir mit der erfreulichen Zahl von 55 Teilnehmern die Adventsfeier der Frauenhilfen in Klein Lüben gefeiert. Leider finden solche Veranstaltungen statt, ohne daß eine größere Öffentlichkeit etwas davon erfährt. Das ist deshalb bedauerlich, weil in unseren kleinen Gemeinden doch mehr geschieht, als viele denken. Größere Aufmerksamkeit haben im Juni 2004 sicherlich die Feierlichkeiten zu dem 100jährigen Kirchbaujubiläum in Groß Lüben und Klein Lüben gefunden. Dieses nicht alltägliche Ereignis wird allen Beteiligten sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben. An dieser Stelle sei allen Gemeindegliedern und Kirchenältesten herzlich gedankt, die Zeit für „ihre“ Kirche geopfert haben. Ohne diese ehrenamtlichen Dienste wäre vieles nicht mehr möglich. In Zukunft wird es immer mehr darauf ankommen, daß Dinge vor Ort selbst organisiert werden. In Zeiten knapper Kassen und sinkender Einwohnerzahlen wird es immer schwieriger, eine flächendeckende „Versorgung“ anzubieten. Das führt oft zur Unzufriedenheit auch in den Kirchengemeinden. Welche Auswege oder besser neuen Wege es in dieser Situation gibt, haben wir alle zusammen sicher noch nicht hinreichend bedacht. Vieles ist zudem überschattet worden von dem unseligen Streit in der Kirchengemeinde Bad Wilsnack, von dessen Inhalt hier aber nicht zu berichten ist.
Erinnern möchte ich auch an andere Höhepunkte im Laufe des vergangenen Kirchenjahres. Zu erwähnen sind Konzerte in Lennewitz, Bälow und Rühstädt ebenso wie der Adventsmarkt in Roddan, die Goldenen Konfirmationen in Rühstädt und Legde, die Konfirmationen in Bälow und Quitzöbel sowie der plattdeutsche Gottesdienst in Bälow und auch der Kreiskirchentag in Pritzwalk. Die Andacht und der Ausflug zu Himmelfahrt, diesmal nach Gnevsdorf, hat auf schöne Weise zum besseren Zusammenhalt der Gemeinden beigetragen. Mit den Konfirmanden wurde neben dem Unterricht eine Fahrt nach Spandau organisiert sowie der Jugendkreuzweg in Breddin und Umgebung begangen. Hier hat sich eine neue Tradition herausgebildet, die auch über die Grenzen des Kirchenkreises Havelberg-Pritzwalk hinausreicht. Neben all diesen Höhepunkten kann aber auch nicht übersehen werden, daß viele Gottesdienste mit geringer Teilnehmerzahl stattfinden. Insbesondere die Abendmahlsfeiern sollten künftig einen höhere Aufmerksamkeit erfahren, als es zur Zeit der Fall ist. Wenn man bedenkt, daß in unserem Pfarrsprengel rund 770 evangelische Gemeindeglieder wohnen, ist die Beteiligung an manchen Gottesdiensten oder Veranstaltungen beschämend gering.
Im vergangenen Kirchenjahr hat es eine erfreuliche Zahl von Taufen gegeben, vor allem im Herbst aber auch eine beträchtliche Zahl von Beerdigungen. Nicht unerwähnt bleiben darf die Tatsache, daß die Rühstädter Kirche auch in diesem Jahr wieder von über 11.000 Touristen besucht wurde. ABM-Kräfte konnten mit Hilfe des Vereins für Geschichte der Prignitz e. V. diesmal nur für ein halbes Jahr beschäftigt werden. Wie es im nächsten Jahr weitergeht, läßt sich wegen der erschwerten Bedingungen derzeit noch nicht sagen.
Etwas in den Hintergrund getreten sind die Bauaufgaben. Bedauerlich, aber notwendig geworden ist der Verkauf des ehemaligen Pfarrhauses in Legde. Höchst erfreulich ist dagegen, daß die Lennewitzer Kirche weiter restauriert und die Wiederherstellung der Rühstädter Orgel in Angriff genommen werden konnte. Aber auch die kleineren Instandhaltungsarbeiten erfordern Zeit und Geld und müssen kontinuierlich geplant und ausgeführt werden. Restauriert werden konnte zum Beispiel der schöne Taufengel aus Roddan. Ein Bild von ihm schmückt inzwischen ein Buch, in dem Predigten und Andachten abgedruckt sind, die in unseren Orten gehalten wurden. Lassen Sie mich schließen mit allen guten Wünschen für gesegnete Feiertage und ein gutes neues Jahr unter der Obhut des Allmächtigen.

Ihr Dr. Uwe Czubatynski


Gemeindebrief zu Weihnachten 2003

Liebe Gemeindeglieder im Pfarrsprengel Rühstädt !

Im Titusbrief heißt es: Es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen. Wenn Sie diesen Gemeindebrief lesen, haben Sie hoffentlich einen ruhigen Moment, eine besinnliche Stunde ergattert. Viel zu selten haben wir im Alltag die Gelegenheit, einmal tief durchzuatmen und alles beiseite zu legen, was uns sonst in Beschlag nimmt. Weihnachten zu feiern hat eigentlich nur dann einen Sinn, wenn wir auch etwas von der heilsamen Gnade merken, die uns in diesen Tagen geschenkt wird. Ich weiß nicht, was Sie ganz persönlich in letzter Zeit gefreut oder bedrückt hat. Ich kann Ihnen nur wünschen, daß auch heilsame Momente dabei waren oder wieder kommen werden.
Wie in den vergangenen Jahren auch, will ich an dieser Stelle ein wenig Rückschau halten auf das, was in unseren Kirchengemeinden alles geschehen ist. Im Rückblick wird vielleicht noch einmal deutlich, daß dies alles nicht selbstverständlich ist, zumal die erneute Vakanz der Pfarrstelle Bad Wilsnack die Arbeit nicht leichter gemacht hat. Gemessen an anderen Ländern leben wir alle, auch die Kirche, immer noch in großem Wohlstand. Die Kehrseiten dieses Wohlstands sind freilich eine weit verbreitete Undankbarkeit und eine geistliche Trägheit in unseren Gemeinden. Daß die „gewöhnlichen“ Sonntagsgottesdienste nur von etwa 12 % der Gemeindeglieder besucht werden, ist sicher kein gutes Aushängeschild für unsere evangelische Kirche. Aber ich will nicht in dieses Klagelied einstimmen, sondern zunächst all denjenigen herzlich danken, die als Kirchenälteste oder in anderen Diensten ehrenamtlich tätig waren. Das ist ein großer Reichtum unserer Gemeinden, den man nicht hoch genug schätzen kann.
Ein Grund zur Freude ist auch die Zahl von 12 Vorkonfirmanden, die sich in diesem Jahr zusammengefunden haben. Das wird leider auf absehbare Zeit das letzte Mal so sein, weil in unseren Orten zu wenig junge Menschen leben (alle Gemeindeglieder sollten übrigens mithelfen und Eltern ermuntern, ihre Kinder taufen zu lassen). Der Jugendkreuzweg mit beschwerlichem Fußmarsch, die diesjährigen Konfirmationen in Quitzöbel, Legde und Rühstädt sowie der Jugendtag in Havelberg bleiben allen Teilnehmern hoffentlich in guter Erinnerung.
Das vielleicht wichtigste Ereignis dieses Jahres war der ökumenische Kirchentag in Berlin, auf dem auch unser Pfarrsprengel präsent war. Die größten Veranstaltungen im Pfarrsprengel selbst waren der plattdeutsche Gottesdienst in Quitzöbel (61 Besucher), der Ausflug zu Himmelfahrt nach Hinzdorf, das Gemeindefest in Quitzöbel, das Benefizkonzert und das Konzert zum Storchenfest in Rühstädt, die Goldene Konfirmation sowie der Gemeindeausflug mit 40 Personen ins Hannoversche Wendland. Nicht unerwähnt bleiben darf natürlich, daß die Rühstädter Kirche (nicht zuletzt wegen der Holzkunst-Ausstellung von Herrn Giese) von fast 14.000 Touristen besucht wurde. Leider sind uns die neu beantragten ABM-Stellen bisher nicht bewilligt worden, so daß noch offen bleiben muß, was im nächsten Jahr möglich und zu bewältigen ist.
Auch in baulicher Hinsicht gab es noch einmal wichtige Fortschritte, obwohl die finanziellen Mittel immer schwieriger zu beschaffen sind: Noch im vergangenen Jahr wurde der Roddaner Altar restauriert; in diesem Jahr konnte vor allem die Innenrestaurierung der Lennewitzer Kirche fast zum Abschluß gebracht und ein Gedenkstein für die Opfer des 2. Weltkriegs errichtet werden. In Legde und Quitzöbel gab es wiederholt Bauarbeiten in und an der Kirche, und in Rühstädt konnte mit der Wiederherstellung der wertvollen Orgel zumindest begonnen werden. Künftig wird es darauf ankommen, das Erreichte sorgfältig zu pflegen. Es ist eigentlich überflüssig zu sagen, daß auch die laufende Bauunterhaltung erhebliche Kosten verursacht. Alle Kirchgeldzahler tragen wesentlich dazu bei, daß dies überhaupt möglich ist.
Freud und Leid in den Gemeinden sind wenigstens zu erahnen anhand der Amtshandlungen in diesem Kalenderjahr: Neben drei Trauungen (davon eine auf der Plattenburg) gab es 10 Taufen (davon drei Auswärtige) und 8 Beerdigungen. Eine konstante Größe in der Gemeindearbeit sind und bleiben die Frauenhilfen. Zusätzlich zu den monatlichen Treffen gab es zwei größere Zusammenkünfte zum Weltgebetstag und zur gemeinsamen Adventsfeier, die diesmal in Legde stattfand. Schließlich bleibt noch zu danken für alle musikalischen Aktivitäten, bei denen wir mehrfach von auswärtigen Chören und Musikern unterstützt wurden. Mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen gesegnete Festtage. Bleiben Sie behütet, auch im neuen Jahr !

Dr. Uwe Czubatynski


Gemeindebrief zu Weihnachten 2002

Liebe Gemeindeglieder in den Dörfern des Pfarrsprengels Rühstädt,

schon wieder Weihnachten ? Auch das Kalenderjahr 2002 ist schnell vergangen. Im Alltag bleibt uns nur wenig Zeit zum Nachdenken übrig. Auch und gerade in der Adventszeit jagt ein Termin den anderen. Diese Atemlosigkeit des Lebens ist vielleicht das Hauptübel unserer Gegenwart. Sie lässt uns nur wenig Gelegenheiten zur Besinnung übrig. Um so wichtiger sollte uns die weihnachtliche frohe Botschaft sein, dass unsere Erlösung ein Geschenk ist und nicht erarbeitet werden muss.

Mit diesem Gemeindebrief soll in aller Kürze auch Rechenschaft darüber abgelegt werden, was in unseren Kirchengemeinden geschehen ist. Am ehesten und für jedermann sichtbar sind die Bauarbeiten, die in diesem Jahr möglich waren. So war es in Abbendorf dank vielfältiger Hilfe möglich, die gesamte Friedhofsmauer neu zu errichten, wodurch das Ortsbild nicht unwesentlich gewonnen hat. In Lennewitz konnte nicht nur die Innenausmalung der Kirche ein Stück weiter restauriert werden; am 8. November wurde mit einem Festakt die rekonstruierte Turmuhr übergeben. In Quitzöbel schließlich ist es nach fast zehnjähriger Planungszeit gelungen, die gesamte Außenhaut der Kirche von der Turmspitze bis zum Sockel zu sanieren. Ein neues Dach sorgt nun dafür, dass hoffentlich erst die nächste Generation wieder an größere Reparaturen denken muss. Bei allen drei Bauvorhaben haben wir für öffentliche Fördermittel, private Spenden und engagierte Mitarbeit von Gemeindegliedern herzlich zu danken. Durch die jahrelangen Bemühungen befinden sich nun alle Kirchen des Pfarrsprengels, über die man sich nun auch im Internet informieren kann, in gutem Zustand. Trotzdem sind immer wieder Instandsetzungsarbeiten notwendig, die für unsere Verhältnisse viel Geld kosten. Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, dass in mehreren Orten die Glockenläuteanlagen reparaturbedürftig waren oder noch sind. Für eine erfolgreiche Spendensammlung zu diesem Zweck in Bälow ist bereits im Amtsblatt gedankt worden. Eine große Herausforderung für die kommenden Jahre bleibt übrigens die Restaurierung der wertvollen Wagner-Orgel in Rühstädt.

Im Zentrum des Besucherinteresses stand wiederum die Rühstädter Kirche. Mit rund 10.700 Besuchern kamen zwar deutlich weniger als im Vorjahr, aber immer noch eine so große Zahl, wie sie viele andere Institutionen nicht aufweisen können. Uns alle am meisten beschäftigt hat in diesem Jahr freilich das Sommerhochwasser der Elbe. Alle Aufregung dieser Wochen, das Füllen der Sandsäcke und die Sicherung des Hausrats sind nun schon fast wieder vergessen. Wir alle haben allerdings viel Grund zur Dankbarkeit, dass die befürchtete Katastrophe nicht eingetreten ist.

Auch wenn es ein wenig ungerecht ist, sollen doch die außergewöhnlich großen Veranstaltungen dieses Jahres hervorgehoben werden. Zu nennen ist die Eröffnung des brandenburgischen Dorfkirchensommers in Quitzöbel mit rund 120 Gästen, die Konfirmationsfeiern in Rühstädt und Legde, die Goldene Konfirmation in Rühstädt mit etwa 190 Besuchern sowie das Konzert zum Storchenfest. Zu den Höhepunkten des Gemeindelebens zählten aber auch die Adventsfeier der Frauenhilfen, Gold- und Silberhochzeiten, mehrere musikalische Veranstaltungen und der plattdeutsche Gottesdienst. Wünschenswert bleibt natürlich eine größere und regelmäßigere Beteiligung an den „normalen“ Gottesdiensten. Auch ist die Zahl der Taufen (4) in diesem Jahr wesentlich geringer als die Zahl der Beerdigungen (19) gewesen. Für die Lebendigkeit des Gemeindelebens ist aber jeder mitverantwortlich. Das fängt schon damit an, daß an die Kranken gedacht und dies auch weitergesagt wird. Alle Wünsche lassen sich in der heutigen Situation schon lange nicht mehr erfüllen. Aber ein Blick in andere Regionen dieser Welt erinnert uns daran, daß es uns (auch als Kirche) nach wie vor gut, wahrscheinlich sogar zu gut geht. - Lassen Sie mich zum Schluss hinweisen auf ein wichtiges Ereignis Ende Mai nächsten Jahres. Dann wird in Berlin der Kirchentag erstmals gemeinsam von katholischen und evangelischen Christen gestaltet werden. Auch unser Pfarrsprengel wird sich am Eröffnungsabend präsentieren.

Auf diesem Gemeindebrief sind wieder zwei sehr verschiedene Bilder aus dem 15. und dem 20. Jahrhundert abgedruckt. Hans Memling und Marc Chagall haben auf ganz unterschiedliche Weise versucht, das Geheimnis des Weihnachtsfestes auszudrücken. Ich wünsche Ihnen in diesen Tagen eine Zeit des Aufatmens und der Rückbesinnung auf das Wesentliche, was unser Leben lebenswert macht. Kommen Sie gesund und gesegnet in das neue Jahr !

Dr. Uwe Czubatynski


Gemeindebrief zu Weihnachten 2001

Liebe Gemeindeglieder in den Dörfern des Pfarrsprengels Rühstädt,

am 15. Dezember war es genau ein Jahr her, daß meine Familie und ich das schön gelegene Pfarrhaus in Rühstädt bezogen haben. Ein ganzes Kirchenjahr hindurch haben wir nun erprobt, wie es sich in einem so großen Pfarrsprengel lebt. Die Arbeit in 10 verschiedenen Kirchdörfern mit rund 830 Gemeindegliedern ist nicht mehr leicht zu überschauen und oft hart an der Grenze des Machbaren. Manch einem erscheint es so, als hätte das kirchliche Leben abgenommen. Tatsächlich aber gibt es ein vielfältiges Angebot, das nun freilich auf einen größeren Bereich verteilt werden muß. Manches, was im Alltag der Gemeinden geschieht, wird zu Unrecht in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Auch das Zusammenwachsen der Dörfer untereinander steht immer noch ganz am Anfang. Keiner möchte gerne auf Gewohntes verzichten müssen. Für die Zukunft ist es aber notwendig, auch über den eigenen Tellerrand oder Gartenzaun hinüberzuschauen. In der Rückschau auf das vergangene Jahr will ich nun einzelne Bereiche nennen, die für das Gemeindeleben von Bedeutung waren:

1. Die Gemeindekirchenräte

Im Herbst dieses Jahres haben wir für die sieben rechtlich selbständigen Kirchengemeinden neue Gemeindekirchenräte gewählt. Im Durchschnitt der Orte lag die Wahlbeteiligung bei einem guten Drittel der Wahlberechtigten. Das ist im Vergleich zu den Vorjahren zufriedenstellend, bedeutet aber leider auch, daß sich fast zwei Drittel nicht um die Belange ihrer Kirchengemeinde gekümmert haben. In etlichen Fällen gab es einen erfreulichen Generationenwechsel, weil jüngere Leute für dieses wichtige Amt gewonnen werden konnten. An einigen Stellen war die Kandidatensuche mühsam oder gar erfolglos. Die Gemeindekirchenräte in unserem Pfarrsprengel bestehen nun aus insgesamt 53 Personen. Für dieses bemerkenswerte ehrenamtliche Engagement haben wir herzlich zu danken ! Auf den nicht wenigen Sitzungen sind nicht nur die aktuellen Angelegenheiten der Kirchengemeinden zu besprechen, sondern oft genug über Grundstücks-, Finanz- oder Friedhofsdinge zu verhandeln.

2. Bauvorhaben

Am 19. Mai konnte mit einem Gottesdienst der sanierte Kirchturm in Abbendorf wieder eingeweiht werden. Allen Beteiligten wird dieses Fest gewiß noch lange in Erinnerung bleiben. Eine Aufgabe für die Zukunft bleibt allerdings die Instandsetzung der Friedhofsmauer. In Lennewitz wurde in diesem Jahr erfreulicherweise die Ausmalung des hölzernen Tonnengewölbes und auch die Friedhofsmauer wiederhergestellt. Nicht weniger aufwendig waren die Sanierungsarbeiten an dem Kirchenschiff in Legde: Das Mauerwerk wurde restauriert, eine neue Dachrinne angebracht und ein Weg gepflastert. Letzteres war durch eine großzügige Spende möglich geworden. In Quitzöbel wurde der teilweise Neubau der Friedhofsmauer abgeschlossen. Nach langwierigen Planungen hoffen wir, daß im nächsten Jahr endlich die Erneuerung des Kirchendaches folgen kann. Langfristig wird die Kirchengemeinde Rühstädt darum bemüht sein müssen, die wertvolle Wagner-Orgel aus dem Jahre 1738 restaurieren zu lassen. Noch ist allerdings nicht absehbar, wie die enormen Kosten aufgebracht werden sollen.

3. Besondere Veranstaltungen

Höhepunkte im Gemeindeleben waren die Treffen der Frauenhilfen in Bälow. Zum Weltgebetstag und zur Adventsfeier versammelten sich rund 55 bis 60 Gemeindeglieder im Saal der dortigen Gaststätte. Zum Einführungsgottesdienst am 6. Mai in Rühstädt versammelten sich etwa 150 Mitchristen und Gäste; zu Himmelfahrt haben wir uns mit 40 Personen nach Hinzdorf aufgemacht. Die größte Unternehmung war aber der Gemeindeausflug am 19. September, der die rund 70 Teilnehmer nach Potsdam führte. Wir haben dort die Landesausstellung zur brandenburgisch-preußischen Geschichte und die Bundesgartenschau besucht und bleibende Eindrücke mit nach Hause genommen. Nicht zu vergessen ist die Veranstaltung zum Preußenjahr, die am 23. Juni mit Lesung, Musik und Kaffeetafel fast 80 Besucher in die Rühstädter Kirche führte. Der plattdeutsche Gottesdienst in Quitzöbel und die dortige Andacht zum 3. Oktober wurden von über 60 Personen besucht.

Wichtiger als die großen Zahlen ist aber, daß sich bei diesen Anlässen die Dörfer treffen und gemeinsam etwas unternehmen. Eine Reihe weiterer Veranstaltungen wäre zu nennen: die Konfirmationen in Rühstädt, Quitzöbel und Legde, der Gottesdienst zum diesjährigen Storchenfest, die Ellefeldspiele in Bad Wilsnack, Taufen, Trauungen und Goldene Hochzeiten, die Goldene Konfirmation und die Adventsmusik in Legde sowie Gemeindeabende mit Diavortrag in Quitzöbel und Rühstädt. Das eigentlich Wichtige, nämlich das geistliche Wachstum, läßt sich freilich nicht in Zahlen und Veranstaltungen messen, sondern nur erhoffen.

3. Offene Kirche in Rühstädt

Daß Rühstädt und seine Kirche in der Storchensaison von vielen Touristen besucht wird, ist nichts Neues. In diesem Jahr wurde aber das erste Mal Statistik darüber geführt, wieviele Besucher tatsächlich das Gotteshaus betreten. Dank einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und etwa zwanzig ehrenamtlichen Helfern konnte die Kirche regelmäßig offengehalten werden. Gezählt und betreut wurden dabei über 12.800 Besucher ! Alle Helfer haben erfahren können, wie man auf diese Weise seine eigene Kirche besser kennenlernt. An dieser Stelle sei auch einmal darauf hingewiesen, daß die Kirchengemeinden mit den schon seit vielen Jahren immer neu beantragten ABM eine wichtige soziale Funktion als Arbeitgeber wahrnehmen.

4. Konfirmandenarbeit

Mit den Konfirmanden des Jahrgangs 2001 aus den hiesigen Dörfern sowie aus Bad Wilsnack und Groß Lüben – es waren insgesamt 13 – wurde Ende Mai nach Abschluß des zweijährigen Unterrichts eine Fahrt nach Berlin unternommen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt werden im Pfarrsprengel Rühstädt 19 Konfirmanden unterrichtet, davon elf aus der 8. Klasse und acht aus der 7. Klasse. Zusätzlich besuchen 5 Schüler den Religionsunterricht am Gymnasium in Wittenberge. Auch wegen der Entfernung der Orte ist dieser Unterricht mit manchen Schwierigkeiten verbunden.

5. Die Solaranlage in Rühstädt

Wer in den letzten Monaten auf dem Pfarrhof in Rühstädt war, dem ist sicher auch die Solaranlage auf dem Dach des Werkstattgebäudes aufgefallen. Was es mit dieser modernen Technik auf sich hat, soll hier kurz geschildert werden. Diese Anlage dient nicht zur Warmwasserbereitung, sondern ausschließlich zur Erzeugung elektrischen Stroms, der direkt in das Energienetz eingespeist wird. Als Pilotprojekt für die Prignitz ist diese Anlage mit wesentlicher Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück entstanden. Bevor die Solarmodule durch eine Stendaler Firma montiert werden konnten, vergingen mehr als zwei Jahre intensiver und manchmal auch schwieriger Planungen. Am 30. Oktober 2001 war es endlich so weit, daß die Anlage freigeschaltet werden konnte. Mit ihrer Fläche von 17,7 qm soll sie pro Jahr etwa 1.400 kWh Strom erzeugen. Dies reicht zwar nur für knapp die Hälfte des Energiebedarfs im Pfarrhaus. Dafür ist dieser Strom aber ohne jeden Schadstoffausstoß produziert. Die hohen Kosten einer solchen Photovoltaikanlage sind also eine Investition in die Zukunft, die ohne regenerative Energien nicht auskommen wird. Die Kirchengemeinde leistet mit diesem Projekt einen konkreten Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung.

Vor lauter Erfolgsmitteilungen wollen wir freilich nicht vergessen, daß wir zu Weihnachten nicht uns selbst oder unsere Leistungen feiern. Wir haben uns schon viel zu sehr an eine hektische Betriebsamkeit gewöhnt,  die mit der Adventszeit nicht mehr viel zu tun hat. Weniger wäre manchmal mehr ! Die Weihnachtsgeschichte fasziniert aber offenbar jedes Jahr von neuem zahllose Menschen. Wie zwei Künstler aus ganz verschiedenen Zeiten diese Botschaft gemalt haben, können Sie auf dem Umschlag dieses Gemeindebriefes in Ruhe betrachten. In einer gerade in diesem Jahr keineswegs friedlichen Welt sehnt sich die Menschheit auch heute nach dem Frieden Gottes, der mit einem Kind in der Krippe beginnt. Ich wünsche Ihnen einige ruhige Stunden der Besinnung, um über dieses Geheimnis nachzudenken und neue Kraft zu schöpfen. Eine fröhliche Weihnacht und ein gesegnetes neues Jahr wünscht Ihnen Ihr

Dr. Uwe Czubatynski